In 14 von 16 Bundesländern können Arbeitnehmer*innen Bildungsurlaub nehmen, um sich weiterzubilden. Sachsen gehört bislang nicht dazu. Doch eine Entscheidung darüber rückt näher: Am kommenden Dienstag (26. August 2025) wird der Volksantrag „5 Tage Bildungszeit für Sachsen“ im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klima des Sächsischen Landtags öffentlich angehört. Ziel des Antrags ist ein Gesetz, das Arbeitnehmer*innen im Freistaat fünf Tage Bildungsfreistellung pro Jahr ermöglicht. Der aktuelle Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD sieht hingegen lediglich drei Tage vor – und spricht von einer „Qualifizierungszeit“, die berufliche, politische und ehrenamtliche Bildung umfassen soll.
Bildung ist mehr als berufliche Qualifizierung
Doch was bleibt dabei auf der Strecke? Fremdsprachenkurse und Bildungsangebote zur Gesundheitsförderung wären nicht Teil der geplanten Qualifizierungszeit. Darauf wies Sarah Lorenz (Geschäftsführerin Bildungswerk des Landessportbundes Sachsen e.V.) in ihrem Impulsvortrag zum Auftakt des Landesforums Weiterbildung hin. Sie betonte, dass Bildung weit über berufliche Qualifizierung hinausgeht. Besonders Weiterbildungen zur Gesundheitsförderung bringen nicht nur den Beschäftigten selbst, sondern langfristig auch den Unternehmen Vorteile.
In der anschließenden Podiumsdiskussion erklärte Conrad Clemens (Sächsischer Staatsminister für Kultus), dass die Einführung der Qualifizierungszeit kein Selbstläufer sei. Er verwies auf die Bedenken einiger Unternehmen – die Staatsregierung als Arbeitgeber nicht ausgenommen –, die Kosten und Personalausfälle befürchten. Intensive Diskussionen seien daher noch zu erwarten.
Wie kann Weiterbildung für alle zugänglich werden?
Unabhängig von den anstehenden politischen Entscheidungen bleibt eine zentrale Frage: Wie kann Weiterbildung zur Selbstverständlichkeit werden? Prof. Dr. Volker Bank (TU Chemnitz, Professur für Vokationomie/Berufs- und Wirtschaftspädagogik) argumentierte in seinem Vortrag, dass Bildungsurlaub dafür nicht das richtige Instrument sei. Er erreiche vor allem privilegierte Arbeitnehmer*innen und werde zum Beispiel im Handwerk kaum genutzt. Dies könne soziale Ungleichheiten weiter verstärken. Doch wie lassen sich die niedrigen Weiterbildungsquoten in Sachsen steigern? Das Publikum diskutierte verschiedene Ansätze: Sollten attraktivere Weiterbildungsangebote geschaffen werden? Reicht eine stärkere Öffentlichkeitsarbeit aus? Oder wäre eine gesetzliche Weiterbildungspflicht notwendig?
Antworten auf diese Fragen könnte die Weiterbildungsstrategie des Landes Sachsen liefern, die der Landesbeirat für Erwachsenenbildung derzeit begleitet. Entscheidend wird sein, ob diese Strategie Maßnahmen vorsieht, die den Zugang zu Weiterbildungsangeboten erleichtern und die Vielfalt der Weiterbildungslandschaft in Sachsen fördern.
Künstliche Intelligenz: Chance und Herausforderung für die Weiterbildung
Neben Strategien, Gesetzen und der damit verbundenen Frage nach der Finanzierung beschäftigte die Teilnehmenden des Landesforums Weiterbildung ein weiteres zentrales Thema: die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI). Sie wird die Weiterbildung in den kommenden Jahren wohl grundlegend verändern. Informelles Lernen entwickelt sich rasant, und der Zugang zu Wissen wird durch KI deutlich erleichtert. Podiumsgast Christiane Carstensen (Dase & Carstensen GmbH) betonte, dass KI „hyperinklusiv“ ist und Lernenden eine hohe Selbstwirksamkeit vermittelt. Jeder kann individuell Fragen stellen – sei es per Tastatur oder Spracheingabe. Inhalte lassen sich vorlesen oder in Leichte Sprache übersetzen, wodurch Barrieren abgebaut werden. Doch wie gut kann die Erwachsenenbildung mit dieser technologischen Entwicklung Schritt halten?
Diese Frage wurde im Fachforum „Künstliche Intelligenz in der Weiterbildung“ intensiv diskutiert. Neben Christiane Carstensen präsentierten Lisa Hintermeier und Kathrin Michaelis (ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V., Regionales Zukunftszentrum Sachsen) konkrete Einsatzmöglichkeiten von KI im Lernprozess:
- Wissensvermittlung: KI erleichtert die Erstellung von Lernvideos und sorgt für eine effizientere Vermittlung komplexer Inhalte. Zudem verbessert sie Texte und Sprache, um Lernmaterialien klarer und verständlicher zu machen.
- Lernunterstützung: Interaktive Chatbots können Lernende bei Fragen begleiten und Gegenfragen stellen. Das ermöglicht eine tiefere Lernerfahrungen.
- Unterstützung von Lehrkräften: KI entlastet Lehrkräfte, indem sie Unterrichtseinheiten plant, Materialien erstellt und Korrekturhilfen bietet. DSGVO-konforme Chatbots können zusätzlich als Lernhilfen eingesetzt werden.
- Analyse und Planung: Erste KI-Anwendungen in Lernmanagementsystemen (LMS) ermöglichen die Vorhersage von Kursabbrüchen, sodass gezielte Maßnahmen ergriffen werden können. Auch komplexe Texte werden analysiert und für verschiedene Zielgruppen zugänglicher gemacht.
- Personalisierung: Adaptive Lernpfade und individualisierte Angebote passen sich den Bedürfnissen und dem Tempo der Lernenden an, was personalisierten Lernerfolg fördert.
Neue Rollen für Lehrkräfte und offene Fragen
Mit der Einführung von KI-gestütztem Lernen verändern sich auch die Aufgaben der Lehrenden. Sie übernehmen zunehmend die Rolle von Qualitätsprüfer*innen, Lernbegleiter*innen und Evaluator*innen. Ihr Fokus liegt auf der individuellen Unterstützung der Lernenden und der kritischen Überprüfung von KI-generierten Ergebnissen.
Dabei stehen Weiterbildungsträger vor Herausforderungen, die über den Lernprozess hinausgehen. Fragen zu Datenschutz, Ethik und Nachhaltigkeit rücken in den Vordergrund. Gleichzeitig müssen sie Lösungen für die Unterstützung jener entwickeln, deren Arbeitsaufgaben sich durch KI erheblich verändern. Das setzt voraus, dass Führungskräfte in Unternehmen Verantwortung für die Implementierung und Nutzung von KI sowie für die Vermittlung des notwendigen Wissens übernehmen, um das Verhalten und die Lernbereitschaft der Mitarbeitenden im Umgang mit KI langfristig zu fördern und zu steuern.
Das Landesforum Weiterbildung ist eine Veranstaltung des Sächsischen Landesbeirats für Erwachsenenbildung in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Weiterbildung im Freistaat Sachsen. Veranstaltungsort war dieses Jahr die fabrik in Chemnitz.