Frau Dr. Matko, Sie leben und arbeiten derzeit in Melbourne. Was hat Sie dorthin geführt und wie erleben Sie Ihre Zeit in Australien?
Dr. Karin Matko: Ich bin im November 2024 nach Melbourne gezogen, da ich hier eine Stelle als Wissenschaftlerin an der University of Melbourne angeboten bekommen habe. Eigentlich hatte ich nie vor, so weit von zu Hause weg zu ziehen, aber leider sieht die Jobsituation für Wissenschaftler*innen in Deutschland nicht besonders rosig aus – vor allem, wenn sie sich mit Themen wie Meditation und Achtsamkeit beschäftigen. Hier dagegen arbeite ich zum ersten Mal in einem ganzen Team von Meditationsforschenden, was unglaublich bereichernd ist. Australien ist generell ein sehr lebenswertes Land. Die Menschen sind superfreundlich, man kann nach der Arbeit einfach mal an den Strand fahren und das Schulsystem ist so viel besser, dass meine Kinder gar nicht mehr zurückwollen.
Trotz der Entfernung halten Sie Seminare an der Paritätischen Akademie Sachsen. Was schätzen Sie an der Möglichkeit, digital zu lehren und worauf müssen Sie sich aufgrund der Zeitverschiebung einstellen?
Dr. Karin Matko: Digitales Lernen ist mittlerweile unverzichtbar geworden und ermöglicht es sogar, Seminare quer über den halben Globus zu halten. Es ist sehr praktisch sowohl für die Teilnehmenden als auch die Seminarleitenden, weil man ortsungebunden lehren und lernen und verschiedenste Themen leicht zugänglich machen kann. Allerdings ist die Zeitschiebung zwischen Australien und Deutschland wirklich immens – im Sommer acht Stunden und im Winter zehn Stunden. Die beste Zeit zum Vernetzen ist demnach am australischen Abend, was der deutsche Vormittag ist. Da ich eine Nachteule bin, passt das also ganz gut.
Worin liegen aus Ihrer Sicht im Vergleich zum Präsenzseminar die Vorteile von Online-Seminaren und was fordert sowohl Sie als auch Teilnehmende besonders heraus?
Dr. Karin Matko: Der größte Vorteil ist die leichte Zugänglichkeit, die es allen Interessierten mit Internetzugang ermöglicht, teilzunehmen, ohne dass sie irgendwo hingehen müssen. Wenn es ein kurzes Seminar ist, kann man es leichter in den Berufsalltag integrieren und muss keine zusätzliche Fahrzeit einplanen. Andererseits fehlt bei Online-Seminaren die direkte und unmittelbare Interaktion, vor allem, wenn bei manchen Teilnehmenden die Videokamera ausgeschaltet ist. Für mich als Seminarleiterin ist es deutlich schwieriger, den Raum zu lesen, wenn ich nur die kleinen Bildchen auf dem Bildschirm sehe. Aus meiner Erfahrung als Teilnehmerin weiß ich allerdings auch, dass man bei Online-Seminaren leichter abgelenkt wird oder schnell noch etwas anderes nebenbei erledigt. Es gibt also Vor- und Nachteile.
Wie schaffen Sie eine persönliche und interaktive Lernatmosphäre? Welche Methoden haben sich aus Ihrer Sicht im digitalen Raum bewährt?
Dr. Karin Matko: Zuallererst bitte ich die Teilnehmenden darum, ihre Kamera einzuschalten und diese auch eingeschaltet zu lassen, damit wir besser miteinander agieren können. Und dann habe ich mittlerweile einen Koffer voller Methoden, die die Interaktivität, Praxisrelevanz und Lernfreude erhöhen. So mache ich am Anfang gern ein kurzes Spiel, damit wir uns besser kennenlernen – beispielsweise wer heute besonders müde ist oder wer gern Kaffee trinkt. Kleingruppen-Diskussionen in Breakout-Räumen haben sich auch bewährt, weil sie einen eingegrenzteren Raum schaffen, in dem sich Teilnehmende freier miteinander austauschen können. Da ich vor allem praxisnahe und kompetenzbasierte Seminare anbiete, arbeite ich mit sehr vielen praktischen Übungen, bei denen die Teilnehmenden selbst aktiv werden und zum Beispiel Yogaübungen oder Präsentationstechniken direkt ausprobieren und anwenden können.
Sie halten 2026 erneut Seminare an der Paritätischen Akademie Sachsen. Welche Themen bieten sie an, wer sollte die Seminare besuchen und was erwartet die Teilnehmenden?
Dr. Karin Matko: Meine Seminare sind generell für alle geeignet, die neue Impulse für Ihren Arbeitsalltag suchen – zum Beispiel, wie sie mehr Bewegung in ihren Schreibtischjob einbauen können oder wie sie ihre PowerPoint-Präsentationen professioneller und spannender gestalten. Dafür braucht es erstaunlich wenig. Kleine Änderungen können schon sehr viel bewegen und zu mehr Wohlbefinden und Selbstbewusstsein beitragen. Das ist es auch, was mir bei der Seminarleitung am meisten Freude bereitet: Wenn ich sehen kann, wie meine Teilnehmenden ein kleines Stück weit selbstbewusster auftreten und sich durch ihren Berufsalltag ein bisschen weniger stressen lassen.
Dr. Karin Matko ist promovierte Psychologin und Wissenschaftlerin an der University of Melbourne, wo sie die psychologischen und gesundheitlichen Wirkungen von Yoga, Meditation und Achtsamkeit erforscht. Darüber hinaus ist sie ausgebildete Yogalehrerin und gibt seit 10 Jahren freiberuflich Kurse darin. Sie unterrichtet in den Themenschwerpunkten betriebliche Gesundheitsförderung, Entspannung, Meditation und Yoga.
Das Interview erschien zuerst in der Ausgabe März 2026 des Verbandsmagazins anspiel. des Paritätischen Sachsen.
