Frau Engler, welche Ziele haben Sie mit dem Projekt WEITER verfolgt?
Saskia Engler: Wir wollen die berufliche Weiterbildung in der Sozialen Arbeit so weiterentwickeln, dass Fach- und Führungskräfte besser auf sich verändernde Anforderungen vorbereitet sind. Dabei spielen Faktoren wie der erwartete Fachkräftemangel, längere Lebensarbeitszeiten und komplexe technologische Veränderungen eine Rolle. Wir haben uns vorgenommen, praxisnahe und flexible Lern- und Veranstaltungsformate zu entwickeln, soziale Organisationen bei Veränderungsprozessen zu unterstützen und Weiterbildung in der Sozialen Arbeit als selbstverständlichen Teil einer kontinuierlichen Kompetenzentwicklung zu stärken. Das erfordert auch, unsere eigenen Prozesse unter die Lupe zu nehmen und so anzupassen, dass wir selbst auf eine sich wandelnde Arbeitswelt und neue Bedarfe unserer Teilnehmenden vorbereitet sind.
Welche Projektergebnisse sind aus Ihrer Sicht besonders relevant für soziale Organisationen in Sachsen?
Saskia Engler: Wir haben Weiterbildungsangebote auf aktuelle Transformationsaufgaben ausgerichtet und unsere Angebotssystematik geschärft, damit sie besser auffindbar sind. Mit der neuen Rubrik „Digitalisierung und Transformation“ im Seminarkalender bündeln wir Themen, die soziale Organisationen unterstützen: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, neue Arbeitsweisen und die Frage, wie Organisationen Fachkräfte gewinnen und halten können. Dazu gehören zum Beispiel Seminare wie „KI im Personalmanagement“, „Einführung in die Wirkungsorientierung“ und „Beschäftigung älterer Arbeitnehmer*innen“, die noch im 2. Halbjahr 2026 stattfinden. Die positive Resonanz auf die erweiterten Angebote zeigt, dass wir mit dieser Neuausrichtung richtig liegen.
Das Projekt WEITER hat uns außerdem verdeutlicht, dass nicht jedes digitale Format für soziale Einrichtungen und ihre Beschäftigten passt. Wir haben beispielsweise E-Trainings erprobt. Sie bieten grundsätzlich mehr Flexibilität. Unsere Testphase hat aber gezeigt: Formate, in denen Teilnehmende diskutieren, reflektieren und nachfragen können, bleiben für viele die erste Wahl.
Mit Blick auf Ihr Ziel, den Stellenwert von Weiterbildung in der Sozialen Arbeit zu stärken: Welche Faktoren spielen hier eine Rolle?
Saskia Engler: Weiterbildung gelingt, wenn sie als Teil der Arbeit organisiert ist und nicht als zusätzliche Aufgabe nebenherläuft. Eine zentrale Rolle spielt die Leitungsebene: Wenn Führungskräfte Lernen vorleben, Weiterbildung ermöglichen und Mitarbeitende unterstützen, entsteht eine Lernkultur im Unternehmen. Hilfreich ist außerdem ein Arbeitsklima, in dem Fragen, Fehler und neue Ideen als Anlass zum gemeinsamen Lernen verstanden werden.
Hoher Arbeitsdruck, Personalmangel und enge Dienstpläne erschweren Weiterbildung. In vielen Organisationen kommen begrenzte finanzielle Spielräume hinzu, sodass Budget für Qualifizierung fehlt oder unsicher ist. Unsere Bedarfsumfrage von Ende 2025 bestätigt diese Gründe, warum Beschäftigte nicht an Weiterbildungen teilgenommen haben. Auch der aktuelle Nationale Bildungsbericht nennt berufliche wie private Verpflichtungen als häufige Hindernisse. Umso dringlicher ist es, Weiterbildung als Teil der Organisationsentwicklung zu etablieren.
Welche Schritte empfehlen Sie sozialen Trägern, um Weiterbildung trotz hoher Belastung verlässlich zu ermöglichen?
Saskia Engler: Wir empfehlen klare betriebliche Regelungen. Dazu gehören Freistellung von der Arbeit, eine verlässliche Vertretung und eine feste Verankerung im Dienstplan. So muss Weiterbildung auch bei hoher Auslastung nicht jedes Mal neu verhandelt werden.
Hilfreich ist außerdem, Weiterbildung konsequent am tatsächlichen Bedarf auszurichten. Das gelingt durch kurze, regelmäßige Bedarfsabfragen und durch verbindliche Qualifizierungsziele im Jahresgespräch. So entstehen aus einzelnen Fortbildungen planbare Entwicklungswege.
Der Transfer in den Arbeitsalltag sollte von Anfang an mitgedacht werden. Sinnvoll sind kurze Teamformate, in denen Teilnehmende zentrale Erkenntnisse weitergeben, und klare Absprachen, was konkret ausprobiert oder in Abläufen angepasst werden soll. So wirkt Weiterbildung über die einzelne Person hinaus.
Sie sprachen eingangs davon, im Rahmen des Projekts auch Ihre eigene Arbeit an sich wandelnde Anforderungen anpassen zu wollen. Was haben Sie umgesetzt?
Saskia Engler: Neben der Angebotssystematik haben wir interne Prozesse und die Qualitätssicherung weiterentwickelt. Da Anfragen nach Inhouse-Schulungen deutlich zunehmen, haben wir Zuständigkeiten und den Bearbeitungsprozess nachgeschärft. So können wir strukturierter planen und bleiben verlässlich. Feedbackbögen zu Seminaren sind inzwischen stärker standardisiert. Damit fällt Teilnehmenden das Ausfüllen leichter und wir erhalten mehr verwertbare Rückmeldungen. Wir haben außerdem eine erste Umfrage zum Weiterbildungsbedarf durchgeführt. Künftig befragen wir unsere Teilnehmenden jährlich. Die Ergebnisse fließen in die Programmplanung ein.
Weil wir unser Programm fortlaufend planen und nicht mehr wie früher ein gedrucktes Jahresprogramm ausgeben, haben wir außerdem unsere Öffentlichkeitsarbeit weiterentwickelt. Wir sprechen einzelne Zielgruppen direkter an und können über neue Themen und kurzfristig geplante Seminare rechtzeitig informieren. Mit Artikeln und Interviews auf unserer Website ordnen wir Entwicklungen fachlich ein, bereiten sie verständlich auf und zeigen, warum Weiterbildung für die Soziale Arbeit relevant ist.
Was nehmen Sie als wichtigste Botschaft aus dem Projekt WEITER mit, und was sind die nächsten Schritte nach Projektende?
Saskia Engler: Für Organisationen gilt: Weiterbildung benötigt einen festen Platz in der Unternehmenskultur. Fehlt dieser, fällt sie bei hoher Belastung als Erstes weg. Weiterbildung ist kein Angebot für Einzelne, sondern ein strategisches Instrument der ganzen Organisation.
Für unsere eigene Arbeit nehmen wir wichtige Impulse für Programmplanung und Qualitätssicherung mit. Wir arbeiten nicht mehr mit Annahmen darüber, was gebraucht wird, sondern mit Projektergebnissen und systematischem Feedback.
Nach Projektende wollen wir das Erreichte dauerhaft verankern und weiterentwickeln. Wir bauen unsere Themenfelder gezielt aus und richten Seminarangebote konsequent an aktuellen Bedarfen der Sozialwirtschaft aus. Parallel dazu prüfen und verbessern wir kontinuierlich unsere internen Arbeitsprozesse. Dabei setzen wir auch künstliche Intelligenz ein, um wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren und Mitarbeitende zu entlasten. Auch die Öffentlichkeitsarbeit bleibt ein zentrales Handlungsfeld. Digitale Kommunikation verändert sich schnell. Deshalb beobachten wir weiter, über welche Wege wir unsere Zielgruppen verlässlich erreichen.
Saskia Engler ist Mitarbeiterin für Weiterbildung und Digitalisierung im Projekt WEITER – Transformation durch Weiterbildung des Paritätischen Sachsen (Laufzeit 09/2024–09/2026). Im Rahmen des Projekts entstanden neue Konzepte für die Weiterbildung in der Sozialen Arbeit. Soziale Organisationen erhielten Impulse zur Bewältigung von Transformationsaufgaben.

