Weiterbildung reloaded: Tempo, Technik, Transformation

Technologie entwickelt sich schneller als unsere Lernkultur. Jetzt kommt es darauf an, wie gut wir Künstliche Intelligenz (KI) verstehen, einordnen und verantwortungsvoll nutzen. Drei Erkenntnisse von der Learntec 2026.

Eine junge Frau steht vor einer Buchstaben-Installation auf der Messe Learntec.© Paritätischer Sachsen
19.05.2026
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Erstellt von Saskia Engler, Mitarbeiterin Weiterbildung und Digitalisierung/Projekt WEITER

Die Messe Learntec 2026 in Karlsruhe stand unter dem Motto „Digital Learning meets AI“. Parallel fand die New Work Evolution statt – eine Messe, die sich mit modernen Arbeitswelten befasst. Beide zeigten, wie eng digitales Lernen und neue Arbeitsformen heute zusammenhängen.  

Auch in der Sozialen Arbeit wächst der Weiterbildungsbedarf: Neue technische Hilfsmittel, gesellschaftliche Umbrüche und komplexere Aufgaben verlangen von Fachkräften, lernfähig zu bleiben, Veränderungen mitzugestalten und dabei reflektiert zu handeln. 

Erkenntnis 1: Wissen allein genügt nicht

In vielen Einrichtungen kommen fortlaufend neue Programme, Kommunikationsformen oder Dokumentationssysteme hinzu. Diese Dynamik erfordert mehr als bloße Offenheit für Neues.  

Gleichzeitig zeigt sich, dass Technik allein nicht reicht. Digitale Systeme entfalten ihren Nutzen erst, wenn Menschen verstehen, wie sie sie sinnvoll einsetzen können. Lernen bedeutet daher mehr als Wissensaufbau. Es erfordert Urteilsvermögen, kritisches Denken und die Bereitschaft, Entscheidungen verantwortungsvoll zu treffen.  

Und schließlich wird deutlich, dass Weiterbildung näher an den Alltag rücken muss. Nur wenn Lernen kleinteilig, praxisbezogen und gut in den Arbeitsfluss integriert ist, bleibt es wirksam. Gerade in dynamischen Zeiten droht der Effekt von Weiterbildung sonst zwischen Krisen und Routinen verloren zu gehen. Umso wichtiger ist, die Qualität zu sichern: KI kann Lerninhalte bereitstellen, aber sie darf sie nicht zu oberflächlichen Standardlösungen machen. 

Erkenntnis 2: KI wird zum Lernpartner

Künstliche Intelligenz kann heute Lernprozesse begleiten. Systeme erkennen, welche Themen bereits verstanden sind, und schlagen passende nächste Schritte vor. So entstehen persönliche Lernpfade, die sich an Tempo und Bedarf der Lernenden anpassen.  

Für manche mag das ungewohnt klingen, doch die Praxis zeigt: KI-gestützte Rollenspiele oder Simulationen ermöglichen praxisnahe Lernformen, in denen direkt Rückmeldungen gegeben werden. Solche Formate eröffnen auch in der Sozialen Arbeit neue Möglichkeiten, etwa für Kommunikation, Gesprächsführung oder Konfliktlösung.  

KI unterstützt dabei nicht nur das Lernen, sondern stärkt auch Selbstreflexion und Sicherheit im beruflichen Handeln. 

Erkenntnis 3: Lernen muss nah am Alltag bleiben

Wirksam ist Lernen, wenn es Schritt für Schritt geschieht, wiederholt werden kann und direkt mit der Praxis verbunden ist.  

Damit Lernen im Berufsalltag wirklich ankommt, sollte es:  

  • kurz und überschaubar sein: kleine Einheiten lassen sich leichter einbauen,  
  • wiederholbar sein: durch Erinnerungen, Quizze oder kleine Lern-Challenges,  
  • praxisnah sein: mit konkreten Beispielen aus dem Arbeitsfeld,  
  • zeitlich passend sein: also dann stattfinden, wenn Wissen gebraucht wird.  

KI kann dabei unterstützen, Lernimpulse genau im richtigen Moment anzubieten. So wird Weiterbildung zu einem natürlichen Teil der Arbeit und keine Zusatzbelastung.

Neues Arbeiten braucht Orientierung und Vertrauen

Die Messe New Work Evolution machte deutlich, dass sich Arbeitskulturen wandeln. Der Begriff New Work steht unter anderem für Arbeit mit mehr Eigenverantwortung, Flexibilität und Sinnorientierung. Damit diese Idee funktioniert, braucht es jedoch mehr als technische Lösungen.  

Prof. Dr. Anja Schmitz von der Hochschule Karlsruhe sprach im Rahmen der Messe von einem „KI‑Paradox“: Viele Unternehmen nutzten bereits KI‑Tools, zögen daraus aber wenig Nutzen, weil Vertrauen und gemeinsame Ausrichtung fehlen. Manche Mitarbeitende seien überfordert oder skeptisch gegenüber der Entwicklung.  

Georg Frech, Leiter der K+N Akademie, betonte: Neues Arbeiten scheitere selten an Technik oder Home-Office‑Regelungen, sondern an fehlender Klarheit. Menschen brauchen Orientierung, Vertrauen und ein gemeinsames Ziel. Erst dort könne eine Organisation wirklich lernfähig werden.

Fazit: Was das für die Soziale Arbeit bedeutet

Auch soziale Träger stehen mitten in diesem Wandel. Digitalisierung verändert Kommunikation, Beratung und Organisation. Gleichzeitig bleibt entscheidend, was Soziale Arbeit ausmacht: Menschlichkeit, Empathie und verantwortungsvolles Handeln.  

KI und digitale Lernmethoden können Fachkräfte entlasten und sie dabei unterstützen, ihr Wissen aktuell zu halten. Für Fachkräfte und Organisationen der Sozialen Arbeit bedeutet das, Lernen als Teil der Kultur zu verstehen. Es sollte nah am Alltag stattfinden, zum Nachdenken anregen und persönliche Entwicklung ermöglichen. KI kann Lernen anstoßen, begleiten und personalisieren, doch ob es wirkt, hängt von den Menschen ab, die es bewusst einsetzen und gestalten.

Saskia Engler besuchte die Learntec und New Work Evolution 2026 im Rahmen des Projektes „WEITER – Transformation durch Weiterbildung“. Ziel war es, aktuelle Impulse zu KI‑gestütztem Lernen, modernen Lernkulturen und neuen Arbeitsweisen aufzunehmen und für die Bildungsarbeit im sozialen Bereich nutzbar zu machen.

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