Was bedeutet Weiterbildung im Ehrenamt und welche Rolle spielt die Ehrenamtsakademie Südwestsachsen dabei?
Benjamin Klose: Ehrenamtliche begegnen rechtlichen Vorgaben, finanziellen Hürden, einer zunehmenden Digitalisierung und immer komplexeren sozialen Herausforderungen. Sie übernehmen dabei eine Verantwortung, die mit hauptamtlichen Tätigkeiten vergleichbar ist – zumeist ohne dafür ausgebildet zu sein. Eine Akademie speziell für Ehrenamtliche schafft einen geschützten Raum für Weiterbildung, Austausch und Vernetzung, der auf diese Zielgruppe zugeschnitten ist. Sie stärkt Ehrenamtliche in ihrer Rolle, vermittelt praxisrelevantes Wissen und unterstützt dabei, Unsicherheiten abzubauen. So trägt die Ehrenamtsakademie Südwestsachsen dazu bei, die Qualität ehrenamtlicher Arbeit sicherzustellen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig zu stärken.
Wer nutzt Ihre Angebote?
Benjamin Klose: Unsere Weiterbildungsangebote erreichen sowohl ehrenamtliche Vereinsvorstände, Kassenprüfer*innen oder Schatzmeister*innen als auch Engagierte an der ehrenamtlichen Basis wie zum Beispiel Alltagsbegleiter*innen für Senior*innen. 43 Prozent unserer Teilnehmenden haben ihre ehrenamtliche Tätigkeit in den zurückliegenden drei bis vier Jahren begonnen. 32 Prozent sind bereits seit fünf bis zehn Jahren ehrenamtlich aktiv, 25 Prozent sogar seit mehr als zehn Jahren. Bei uns bilden sich in erster Linie Ehrenamtliche aus dem Bereich der Sozialen Arbeit weiter. Aber auch in anderen Bereichen wie Kultur und Sport haben wir mit unseren Angeboten Fuß gefasst.
Viele Ehrenamtliche haben wenig Zeit – wie passen Ihre Formate zu ihrem Alltag?
Benjamin Klose: Neben Geld ist Zeit der limitierende Faktor im Ehrenamt. Viele Engagierte haben zwischen Familie, Freizeit sowie Haupt- und Ehrenamt nur knappe Zeitressourcen zur Verfügung. Aus diesem Grund bieten wir zum Großteil kurze anderthalb- bis dreistündige Online-Seminare an, die sich gut in den Alltag eintakten lassen. Bei unseren Weiterbildungen vor Ort achten wir darauf, unterschiedliche Gemeinden Südwestsachsens zu bedienen, damit die Engagierten ohne langwierige Fahrtwege teilnehmen können. Alle Formate eint, dass sie für Ehrenamtliche kostenfrei sind.
Was erwartet Interessierte beim diesjährigen Programm?
Benjamin Klose: Weiterbildungen zu Rechts- und Finanzthemen, zu Fragen der Vorstandsarbeit und zur Organisationsentwicklung sind besonders nachgefragt. Deshalb haben wir unter anderem das Tagesseminar „Mittelverwaltung und Buchhaltung inklusive Einnahmenüberschussrechnungen“ im Programm. Mit dem Seminar „(Angehende) Ruheständler*innen fürs Ehrenamt gewinnen“ widmen wir uns der Mitgliederwerbung und -bindung mit Blick auf eine spezielle Zielgruppe. Ebenfalls gut angenommen werden Weiterbildungen, die sich explizit an Ehrenamtliche aus dem Bereich der Sozialen Arbeit richten. Engagierte in der Altenhilfe können zum Beispiel ihr Wissen zu Themen wie „Begegnungen in der 1:1-Betreuung wertvoll gestalten“, „Grenzen setzen und Kraft bewahren“ oder „Einsamkeit erkennen und begegnen“ vertiefen. Zusätzlich unterstützen unsere Seminare Ehrenamtliche dabei, ihre persönlichen Kompetenzen zu stärken. Zur Auswahl stehen dabei Angebote wie „Zeitmanagement im Ehrenamt“, „Gruppen ehrenamtlich leiten“ oder „Künstliche Intelligenz für die Ehrenamtsarbeit“.
Benjamin Klose ist Referent Weiterbildungsprojekte der Paritätischen Akademie Sachsen.
Das Interview erschien zuerst in der Ausgabe März 2026 des Verbandsmagazins anspiel. des Paritätischen Sachsen.

